Wir haben die WDM U16 live gestreamt!
Für uns als Verein war das ein spannendes Projekt – und in dieser Größenordnung auch komplettes Neuland.
Da es im Netz nur wenige Informationen zum Thema Low-Budget-Sportstreaming gibt (rühmliche Ausnahme: die Streamingseite des BVV), möchten wir hier unsere Vorgehensweise und Erfahrungen teilen. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen – spätestens beim nächsten Turnier werden wir selbst dankbar für diese Gedankenstütze sein. 🙂
Wer sich das Endergebnis mal anschauen möchte, findet die Spiele auf dem Solingen Volleys Youtube Kanal.
Über die Turniertage hinweg hatten wir täglich etwa 500 Aufrufe pro Stream – mit einem Spitzenwert von 770 beim Finale.
Bei den gleichzeitigen Zuschauern war das Bild etwas durchmischter: Im Schnitt waren etwa 20 Zuschauer gleichzeitig online, beim Finale lag der Peak bei 66 gleichzeitigen Zuschauer*innen.
Interessant: Der meiste Traffic kam nicht über die WDM-Homepage, sondern über Mundpropaganda via WhatsApp und E-Mail.
War der Aufwand also gerechtfertigt? Ein klares Ja!
Die Rückmeldungen von Zuschauerinnen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht vor Ort sein konnten (parallele Veranstaltungen, Krankheit, Entfernung), waren durchweg positiv. Auch Spielerinnen
und Trainer*innen haben sich über die Aufzeichnungen gefreut, die sie sich später in Ruhe anschauen konnten.
Kurz gesagt: Wir würden es jederzeit wieder machen!
Und wenn man einmal weiß, wie es geht, hält sich der Aufwand auch wirklich in Grenzen.
Was braucht man alles an "Hardware" vor Ort?
Hier setzen wir auf alte Smartphones. Gerade ältere Android-Geräte bieten oft noch eine hervorragende Kameraqualität – und das zu einem kleinen Preis auf Kleinanzeigen. Falls das überhaupt nötig ist. Fragt mal rum, es haben sicher noch Leute aus dem Verein alte Handys in der Schublade die zum Streamen ausreichend sind. Wir haben uns hauptsächlich an dieser Seite mit Handyempfehlungen zum Livestreaming orientiert.
Smartphones haben einen weiteren entscheidenden Vorteil: Wir brauchen keine weitere Hardware, sondern können direkt von ihnen auf die Plattform unserer Wahl streamen und auch den Scorebug direkt auf dem Handy einbinden.
Schlussendlich hatten wir:
• Google Pixel 5 ⚠️
• 2x Huawei P30 Pro
• Samsung S9+
Erfahrung aus der Praxis: Die Videoqualität war wirklich gut und fast alle Handys haben auch den Streamingtag von 10h Dauerstreaming geschafft. Einzig das Pixel 5 zeigte am Nachmittag eine Überhitzungswarnung und fing an zu ruckeln – im Stream von Feld 1 ist das auch sichtbar. Dieses Modell würden wir künftig nicht mehr einsetzen.
Stative konnten wir uns aus verschiedenen Ecken zusammenleihen. Allerdings zwingen uns die Gegebenheiten vor Ort zu abenteurlichen Konstruktionen um die Smartphones auf das Feld auszurichten. Es macht also Sinn auch flexiblere Halterungen wie die unten gezeigte Klammer dabei zu haben. Diese haben wir häufig im Einsatz gehabt. Wenn wir sie nochmal kaufen würde, dann allerdings mit Kugelkopf um flexibler bei der Ausrichtung zu sein.
War bei uns kein Problem. Denkt aber daran, ausreichend Panzertape mitzubringen, um Kabel sicher zu verlegen und die Stative zu fixieren.
Ein wertvoller Hinweis kam vom Hausmeister: Alle elektrischen Geräte sollten über Nacht vom Netz genommen werden, da die Stadt keine Haftung für Schäden übernimmt. Bei der Menge an mitgebrachter Technik ein sinnvoller Hinweis!
Dankenswerter Weise hat die Stadt eine mehr als ausreichend starke Internetleitung in der Halle liegen.
Da wir in 1080p gestreamt haben, benötigten wir ca. 6 Mbit/s Upload pro Stream. Das bedeutet, dass die Internetleitung mindestens 25–30 Mbit/s im Upload hergeben muss, um eine stabile Übertragung zu gewährleisten. Das haben wir vorher getestet und es hat auch in der Praxis wunderbar funktioniert!
Wichtig: Falls ihr über städtische oder schulische Netzwerke streamen wollt, checkt vorher unbedingt folgende Punkte:
Auf den Handys haben wir die "Prism Live" App genutzt – eine kostenlose und stabile App, mit der sich Kamerasignale mit zusätzlichem Bildmaterial (z. B. Scorebug) überlagern und an verschiedene Plattformen senden lassen.
Weitere Optionen wären z. B. Streamlabs oder StreamYard – doch in der Volleyball-Community scheint Prism Live die beliebteste Lösung zu sein.
Vorteile in der Praxis:
manuelles Fokussieren (verhindert „Pumpen“ der Schärfe)
einfache Einbindung von Widgets
stabiler Dauerbetrieb
Einziger Wermutstropfen:
Die App streamt auf Android nur mit 30 FPS. Hier würden wir gern mal testen, ob eine höhere FPS die Qualität weiter verbessert. Dafür bräuchte es allerdings andere Encoder und eventuell leistungsfähigere Smartphones.
Eine Remote-Konfiguration der App vom Rechner aus wäre ebenfalls hilfreich – funktionierte bei uns leider nicht, da sich die Geräte im WLAN nicht „sehen“ konnten.
Youtube oder Twitch? Wohin sollen wir streamen?
Gute Frage – unsere Entscheidung fiel auf YouTube, aus mehreren Gründen:
Also erstmal YouTube . Und das hat wirklich gut funktioniert. Das Gesamtpaket von Einrichten der Streams über die Nachbereitung war eigentlich sehr einfach.
Ich denke wir bleiben dabei.
Im Vorfeld haben wir im YouTube Studio vier Livestreams angelegt. Eine kurze Anleitung dazu findet ihr rechts.
Wichtig: Wenn ihr, wie wir, in der Prism App einen generischen RTMP Account einrichtet, achtet schon beim Anlegen der Streams
darauf, unterschiedliche Streamkeys für jeden Stream zu erstellen.
Mit dem Streamkey und der URL haben wir dann Prism Live auf jedem Smartphone eingerichtet. Hier kam es einmal zur Verwirrung weil sich zwei Handys untereinander gesynced hatten und sich den Streamkey wieder überschrieben haben. Wir sind noch nicht sicher, warum das passiert ist. Also da besser zweimal kontrollieren.
Am Turniertag selber haben wir dann nur noch in der PrismLive App das Streaming enabled und in Youtube den Stream live geschaltet.
Was uns bei Youtube wirklich gefällt ist die Weiterverarbeitung von Streams zu Einzelmatchvideos. Das geht ganz ohne das Runterladen der Streams direkt im Youtube Studio.
Ein kleines Tutorialvideo zur Aufteilung findet ihr ebenfalls rechts – die Funktion ist in der UI leider nicht sofort ersichtlich.
Die einzelnen Videos haben wir in eine Playlist gepackt un auf unserem Channel veröffentlicht.
Was wäre ein Volleyball-Stream ohne Score-Anzeige? Hier setzen wir auf Skorby.
Skorby ist eine App um den Punktestand einer Mannschaft zu tracken und diesen dann flexibel mit einem Publikum zu teilen (z.B. auf einem externen Display, einem Web Board oder eben im Videostream).
Normalerweise bräuchten wir für Skorby pro Spielfeld ein Installation auf einem Handy und die Anschreiber müssten die Punkte dort doppelt eingeben.
Dank des kurzen Drahts zum Entwickler, konnten wir Skorby provisorisch direkt an den offiziellen SAMS Ticker anbinden. Das bedeutet: Automatische Punktestand-Anzeige ohne
zusätzliche Arbeit für die Anschreiber!
Erfahrung aus der Praxis: Das hat super funktioniert. Die Verbindung zu SAMS hatte nur zwei kleine Hänger, die jeweils schnell
behoben werden konnten. Das Handling war extrem einfach, weil Skorby automatisch die Spiele auf dem Feld mitgeführt hat, so dass keine manuelle Arbeit nötig war.
Perspektivisch wird die SAMS Anbindung fix in Skorby integriert werden. Wer vorher Bedarf hat, kann auf der Webseite einfach mal den Entwickler anpingen.
Wir hoffen Euch helfen unsere Learnings. Wenn ihr noch Fragen habt oder euch vernetzen wollte, schreibt uns eine E-Mail an [email protected] – wir freuen uns auf den Austausch! 🚀
